Wann es sich lohnt in Kleidung zu investieren | Capsule Wardrobe Edition

Wann es sich lohnt in Kleidung zu investieren | Capsule Wardrobe Edition

In Kleidung investieren ohne schlechtes Gewissen

Als bekennender Capsule Wardrobe Nerd mache ich mir viele Gedanken darüber, welche neuen Stücke in meinen Kleiderschrank einziehen dürfen und von welchen Teilen ich lieber Abstand halte. Während ich noch vor einigen Jahren gerne Mal im Sale zugeschlagen habe und irgendwann Berge von Billig-Shirts und qualitativ nicht sehr hochwertiger Kleidung hatte, kaufe ich inzwischen im Sinne der Umwelt und meines (angestrebten) Minimalismus immer weniger Kleidung. Wenn doch mal etwas Neues her muss, dann kaufe ich fast ausschließlich nur noch hochwertige und nachhaltige Kleidung aus fairer Produktion. Dafür bin ich gerne bereit, mehr Geld für die Anschaffung auszugeben und grundsätzlich ein wenig mehr in meine Kleidung zu investieren.

Aber auch im Fair Fashion-Bereich findet man eine große Preisspanne. Wie überall gibt es dort Kleidungsstücke, die man sich mal schnell kaufen kann und wo die geringen Ausgaben ewiges Gedankenkreiseln nicht rechtfertigen. Ein Tag hat ja nicht unendlich viele Stunden, oder? 😉

Was größere Investitionen angeht, nehme ich mir gerne Tage oder sogar Wochen Zeit, um das perfekte Teil für mich zu finden, das ich zu meiner Capsule Wardrobe hinzufügen möchte. Ich mache mir Gedanken, ob ich das Kleidungsstück wirklich brauche und ob ich dazu bereit bin, mein Geld in dieses Stück Kleidung zu investieren. Teure Impulskäufe, die man später schmerzlich bereut, gehören für mich so schon lange der Vergangenheit an.

Definiere dein Kleiderbudget

Wie viel eine Investition für dich ist, ist sehr persönlich und komplett dir überlassen. Während für manche die Ausgaben-Obergrenze für ein T-Shirt bei 10 € liegt, kaufen sich andere ein Gucci T-Shirt für 390 € ohne mit der Wimper zu zucken. Dabei kommt es natürlich darauf an, wie viel Geld man auf seinem Konto hat und welches Budget man für Kleidung zuordnet. Hier sollte man selbstverständlich nicht über seine Kapazität hinausgehen, egal wie oft etwas in Werbeanzeigen angepriesen wird oder was jemand auf Instagram oder YouTube trägt.

Doch auch innerhalb deines Budgets ist es wichtig dir klar zu werden, was du bereit bist für einzelne Stücke auszugeben. Für mich ist zum Beispiel alles über 100 € eine Investition, weil ich einen Hund mit dreckigen Pfoten habe und unheimlich gerne Tomatensoße esse (und weiß, dass meine Kleidung darunter leiden wird). Was eine Investition für dich ist, musst du also für dich selbst definieren.

Über die letzten Jahre habe ich mir ein paar wichtige Regeln gesetzt, die ich gedanklich durchgehe, um meine Kauf-Entscheidung zu erleichtern. An diesen Punkten messe ich für mich, wann es sich lohnt in Kleidung zu investieren und wann nicht. Ich hoffe, sie konnen auch dir bei deinen nächsten Einkäufen helfen!

Where to spend:

Kleidung, die du ständig trägst

Ich lebe in Jeans. Im Winter mit Winterboots, im Sommer umgeschlagen und zu Omas Geburtstag mit schönen Accessoires kombiniert, geht eine Jeans für mich IMMER. Das ist meine Uniform, die ich das ganze Jahr hindurch trage, und wofür ich auch gerne den ein oder anderen Euro mehr ausgebe. Wenn du den cost-per-wear (also die Kosten für jedes Mal Tragen) für deine liebsten Kleidungsstücke berechnest, wird er mit Sicherheit niedriger sein, als bei günstiger Kleidung, die du nur sehr selten trägst.

Klassische Kleidungsstücke, die leicht mit anderen zu kombinieren sind

Hierzu zählen die Basics wie Hosen, Röcke, Shirts und Pullis, die den Kern jeder Capsule Wardrobe ausmachen und alle ganz gut zueinander passen. Je nachdem wie man sie kombiniert, kann man die Garderobe für jeden Anlass upstylen oder downstylen. Aufgrund der Vielfältigkeit, kann man diese Investitionen dann auch wieder mit dem cost-per-wear rechtfertigen ( – obwohl du natürlich niemandem Rechenschaft schuldig bist!).

Kleidung, die wirklich passt und bequem ist

Achtung, wichtig! Es ist ja schön und gut in Kleidung zu investieren, die in der Werbung toll aussieht und auf Instagram gut ankommt. Doch in der realen Welt braucht niemand eine Jeans, bei der man regelmäßig beim Essen den Knopf sprengt, Schuhe, die einem bösartige Blasen bescheren oder teure aber kratzige Stoffe. Investiere nur in Kleidung, die dir passt, in der du dich gut fühlst und die dich gut aussehen lässt!

Robuste, langlebige Materialien

Gib dein Geld aus für Q-U-A-L-I-T-Ä-T : feste Stoffe, gut verarbeitete Nähte, stabile Schuhe, und hochwertige Jacken, die man Jahr für Jahr tragen kann. Für Taschen und Schuhe gilt, dass man in Materialien mit Textur weniger Abnutzungserscheinungen sieht, als in glatten, glänzenden Materialien. Langlebige Kleidungsstücke müssen seltener nachgekauft werden, reduzieren Fashion-Müll und sind dadurch natürlich nachhaltiger.

Hochwertige Accessoires

Thema Langlebigkeit: Wie jeder weiß, ist hochwertiges Gold oder Silber langlebiger und widerstandsfähiger als die günstigen Modeschmuck-Artikel, die man im Multipack bekommt. Klassische Handtaschen, Ketten, Ohrringe und Uhren sind und bleiben immer modisch aktuell und verlieren sogar kaum an Wert. So kann man sein Geld praktisch auch in Goldschmuck oder Handtaschen anlegen!

Investiere in ein gutes Gefühl

Das ist für mich der wichtigste Grund für eine Investition: Kleidung, die mir mehr Selbstbewusstsein gibt, die mir gut steht und Freude bereiten, wenn ich sie trage. Du hast beim Shoppen ein Shirt entdeckt, das dir traumhaft gut steht und mit dem du dich richtig wohl fühlst, aber überteuert scheint? Na und, kauf es! Im Endeffekt hat ein Gegenstand immer den Wert, den er für DICH hat. Investiere in dich!

Investiere in ein gutes Gewissen

Leider ist Kleidung in unserer Zeit ein Wegwerfprodukt. Inzwischen wissen wir alle, dass hinter einem Shirt, das 3 € kostet, zwielichtige Geschäfte, unfaire Arbeitsbedingungen und keine nachhaltige Produktion stecken. Fair Fashion hingegen bekommt man nicht günstig hinterhergeworfen und gerade hier gilt, dass Qualität ihren Preis hat. Dabei ist es soo wichtig in nachhaltigere Produktionen zu investieren und mit seinem Geld nicht zu befürworten, dass die Fashion Industrie so kurzlebig und umweltverschmutzend ist.

Where to save:

Weiße und helle Stoffe

Wenn du, so wie ich, auch gerne mal Tomatensoße isst, dann sind helle Farben wahrscheinlich nicht die richtige Wahl für Investitionen. Logisch!

Sommerkleidung

Im Gegensatz zu Winterkleidung, ist die sommerliche Garderobe vielen Gefahren ausgesetzt: Schweiß, Deodorant und Ketchup auf Grillfesten draußen sorgen dafür, dass auf der Kleidung Flecken entstehen, die schwer zu entfernen sind. Häufiges Waschen der Kleidung trägt zusätzlich zu stärkerer Abnutzung bei und man wird die Kleider insgesamt weniger oft tragen können als robuste Winterkleidung. Da das Wetter in Deutschland sowieso die meiste Zeit des Jahres eher wärmere Kleidung und wetterfeste Schuhe erfordert, wird man auch von hübschen Sommersandalen mit Absatz weniger haben, als von robusten Sneakern. Ich sag nur cost-per-wear

Special Occasion Wear

Kleidung für besondere Anlässe ist häufig besonder teuer. Man denke an das Kleid für die Hochzeit der besten Freundin, das inzwischen im Kleiderschrank einstaubt. So sind die Kosten pro Mal Tragen enorm hoch und es stellt sich die Frage, ob es sich wirklich lohnt, so viel Geld in diese Kleidung zu investieren. Ich zumindest habe mir vorgenommen, weniger für Kleider auszugeben, die ich nur ein- bis zweimal im Jahr trage (wenn überhaupt).

Trendige Teile

Seien wir mal ehrlich: Bei vielen Trendstücken (wie z.B. Bikershorts) wissen wir doch ganz genau, dass die in wenigen Monaten komplett von der Bildfläche verschwinden oder sogar (wieder) in die Kategorie „hässlich“ eingestuft werden. Auch für Stücke, an denen man sich schnell satt sieht, wie auffällige Prints, Tiermuster, Trendschmuck und alles was glitzert, lohnt es sich meistens nicht, viel Geld auszugeben. Außerdem ist es alles andere als nachhaltig, wenn man die Sachen nach einer Saison wieder ausmistet. Außerdem stimmt der Gedanke einen doch wirklich traurig, dass die perlenbestickte Jeans zu Malervlies verarbeitet wird…

Dinge, die zu schade sind zum Tragen

Last but not least, lohnt es sich nicht in Kleidung zu investieren, um die man Angst hat, wenn man sie trägt. In meinem Kleiderschrank verstaubt das ein oder andere zarte Kleid, das mir zu schade ist für den Alltag aber ich auch viel zu selten (nie!) in die Oper oder auf den roten Teppich eingeladen werde, wo ich es wahrscheinlich eventuell vielleicht sogar unter Umständen tragen würde. Oder geht das nur mir so?

Fröhliches Shoppen,

deine Jane.

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